Hochbegabtenförderung

                                                                           „Jedem das Seine!“
                                                      statt   „Allen das Gleiche!“


Förderung von Kindern mit besonderen Begabungen (Hochbegabte)

Die Diskussion um Hochbegabung ist in den letzten Jahren vermehrt geführt worden. Für uns als Montesso-rischule ist dies ein Thema, mit dem wir uns auch schon vor der öffentlichen Aufmerksamkeit immer ausei-nandergesetzt haben, denn: „Der Weg auf dem die Schwachen sich stärken, ist derselbe auf dem die Starken sich vervollkommnen.“ (Maria Montessori)
Anders als in der öffentlichen Diskussion erfassen wir in unserem Konzept nicht nur Kinder, die sich durch besondere intellektuelle Leistungsfähigkeit auszeichnen. Uns ist es ein Anliegen, auch besondere Fähig-keiten und Begabungen im kreativ-musischen, sportlichen wie auch im emotionalen und sozialen Be-reich zu fördern. Das entspricht unserem ganzheitlichen Bild vom Kind, das wir in allen seinen Aspekten entwickeln wollen.
Dies hat eine wichtige Schlussfolgerung: Hochbegabte Kinder erleben und erfahren sich in der Reaktion ih-rer Umgebung oft als etwas Besonderes – eine nicht immer angenehme Erfahrung. Für uns ist es wichtig, die besonderen Begabungen der Kinder zu fördern, ohne dass diese in eine Sonderrolle geraten. Wir wollen differenzieren und (!) integrieren. Unser Unterrichtskonzept ist unserer Meinung nach ideal dazu geeignet.

Grau ist alle Theorie – was heißt das in der Praxis?

•    Wir sind sensibel für die Besonderheiten der Kinder – nicht nur da, wo sie Schwächen haben, sondern auch dort, wo Stärken zu beobachten sind. Daher versuchen wir bereits bei der Einschulung der Schülerinnen und Schüler möglichst viel über die Kinder zu erfahren. Das führt zu einem aus-führlicheren Aufnahmeverfahren, als Sie dies vielleicht von anderen Schulen kennen:
o    Wir „fragen Ihnen ein Loch in den Bauch“ – unsere Fragen finden Sie in ausführlichen Fragebögen. Diese helfen uns, die Informationen strukturiert zu verarbeiten.
o    Sie bekommen bei uns Termine für das Einschulungsgespräch – damit stellen wir sicher, dass beide Seiten sich genügend Zeit für das Kennenlernen nehmen.
o    Wir beteiligen alle Lehrkräfte an einer genauen Analyse der Voraussetzungen der Kindern in den ersten Schulwochen (das sogenannte Einschulungsspiel) – alle diese Daten dienen uns dazu, unseren Unterricht so zu planen, dass wir von Anfang an fördern und (!) fordern kön-nen.
o    Wir haben in jedem Jahr eine Vielzahl von Eltern, die mit uns gemeinsam diskutieren, ob eine vorzeitige Einschulung für ihr Kind angemessen ist. Wir kümmern uns um diese Gruppe in ausführlichen Einzelberatungen der Eltern und durch eine intensive Beschäftigung mit den Kindern, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen.

•    Wir ermöglichen Kindern, ihrem eigenen Lerntempo zu folgen. Dies ist ein Bestandteil unseres Konzepts der Freiarbeit. Freiarbeit heißt für uns nicht Beschäftigung ohne Anspruch und Ansporn. Freiarbeit heißt für uns auch nicht, die Kinder mit einer Flut von zusätzlichen Arbeitsblättern zu überschütten. Unser Konzept beruht auf einem in vielen Jahrzehnten sorgfältig (weiter-)entwickelten Material- und Methodenkonzept auf der Basis des „Montessori-Entwicklungsmaterials“, mit dem jede Klasse komplett ausgestattet ist. Die Neuen Medien integrieren wir in unseren Unterricht.
Auch leistungsstärkere Kinder erfahren so, dass sie sich anspruchsvollen Aufgaben, die Anstrengung und Einsatz erfordern, stellen können und sollen. Diese Erweiterung und Vertiefung des Lernstoffs führt aber nicht zur sozialen Isolation. Die Kinder erleben dies nicht als „Sondermaßnahme“, da jeder Freiarbeit macht – wenn auch auf unterschiedlichem Niveau.
Es ist in unseren Klassen nichts Besonderes – im wohlverstandenen Sinne – wenn einige Kinder in der ersten Klasse sich mit Büchern auseinandersetzen und/oder eigene Geschichten schreiben, wäh-rend andere noch das Lesen und die Welt der Buchstaben für sich entdecken und einüben. Wir ha-ben Kinder, die mit dem Mathematikmaterial im Tausenderraum rechnen, während andere noch den Zahlenraum bis zwanzig einüben.
Für viele Kinder mit besonderen intellektuellen Fähigkeiten reichen diese Maßnahmen der „Inneren Differenzierung“ aus, um sie zu fördern und zu fordern. Es ermöglicht ihnen auch, in der sozialen Gruppe zu bleiben, mit der sie im 1. Schuljahr angefangen haben und die auch oft ihrer eigenen emotionalen Entwicklung entspricht.
Es kommt aber auch vor, dass ein Kind insgesamt weiter entwickelt ist. Hier gibt es die Möglichkeit des „Springens“ in die nächste Klasse. Dabei wird nach Gesprächen mit den Eltern und dem Kind und der Lehrkraft der aufnehmenden Klasse eine „Probezeit“ in der anderen Klasse vereinbart, i.A. vier bis sechs Wochen. Diese Zeit dient der Selbsterprobung des Kindes und der Beobachtung und Begleitung durch die Lehrerin. Danach findet wieder ein Gespräch mit den Eltern und dem Kind statt und es wird entschieden, ob das Kind in der Klasse verbleibt oder in seine ursprüngliche Klasse zurückgeht. Damit das Kind in jedem Fall „sein Gesicht“ wahrt, wird den Kindern der jeweiligen Klasse der  Wechsel in geeigneter Weise vermittelt. An unserer Schule haben wir mehrfach positive Erfahrung gemacht mit dem „Springen“ vom Kindergarten sofort in die 2. Klasse, von Klasse eins nach zwei, Klasse zwei nach drei, Klasse drei nach vier und Klasse vier nach fünf. Dank intensiver Vorgespräche war ein Verbleib in der höheren Klasse jeweils das Ergebnis.
Beide genannten Möglichkeiten sind in den jahrgangsgemischten Klassen in besonders leichter Weise möglich. Hier werden Kinder verschiedener Jahrgänge gemeinsam unterrichtet. So kommen die Vorteile der Altersmischung zum Tragen, ähnlich wie in der Geschwisterreihe. Hier lernen die Jüngeren von den Älteren und die Älteren vertiefen ihr Wissen und ihre Fertigkeiten, indem sie es den Jüngeren vermitteln.

•    Wir geben Kindern die Gelegenheit, ihre emotionalen und sozialen Fähigkeiten zu entwickeln. Dazu haben sie zunächst in der Freiarbeit Gelegenheit. Denn hier wird neben der Arbeit am Thema auch immer das Miteinander gelernt und eingeübt. Es gehört für uns zu unserer Alltagswirklichkeit, dass wir auch in dieser Hinsicht eine große Bandbreite an Fähigkeiten der Kinder erleben. Wir ver-mitteln allen Schülerinnen und Schülern die notwendigen Schlüsselqualifikationen zum Lernen und Arbeiten in einer Umwelt, die immer größeren Wert auf Gruppenfähigkeit legt. Auch hier gibt es Kinder mit besonderen Begabungen. Sie bekommen Zeit und Raum, diese in unserer Schule zu ent-falten.
Ein Weg ist für uns das Training, sich in der Gruppe über Gruppenprozesse wie auch über die eigene Befindlichkeit auszutauschen. Kinder lernen, miteinander über ihre Gefühle zu reden. Sie werden kompetent in Fragen der Beziehungen untereinander und können viele Probleme auf diesem Weg entweder alleine oder unter Einbezug ihrer Positionen regeln. Auch hier gilt für uns der Spruch Maria Montessoris: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Die Form, in der wir dies praktizieren, ist unterschiedlich. In vielen Klassen heißt dies Klassenrat, Kinderkonferenz (in der Sternschnuppe), Montagskreis, Wochenabschlusskreis,... – die Namen sind weniger wichtig als das, was dahinter steht: De-mokratisches Miteinander im Alltag lernen.

•    Für uns bringen die Kinder nicht nur ihren Kopf in die Schule. Wir helfen auch bei der Ent-wicklung von „Herz und Hand“. In unserer Schule haben wir über viele Jahre hinweg hart daran gearbeitet, die Möglichkeiten zur Entfaltung der musischen Fähigkeiten unserer Kinder in den Räumlichkeiten und der Ausstattung zu berücksichtigen. So befinden wir uns sicherlich noch nicht in einem Idealzustand, können aber mit Stolz auf das schon Erreichte verweisen:
Unsere Schule verfügt über eine Theaterklasse mit Bühne, Vorhang und Verdunklungsmöglichkeit, Schattenspiel – Konstruktion, Kulissen und Kostümfundus. Dies wird genutzt für Theaterspiel und Theateraufführungen der Klassen für- und untereinander, für Eltern und bei Festen und Feiern.
Die Schule hat eine Grundausstattung an Rhythmusinstrumenten. Im Musikraum befinden sich das Orff´sche Instrumentarium, ein Klavier und ein Keyboard, die im Musikunterricht und bei musikali-schen Aufführungen zum Einsatz kommen. In vielen Klassen werden die Lieder mit der Gitarre begleitet. Der Kunstunterricht wird bereichert durch die Möglichkeiten des Werkraums und des Brennofens für Töpferarbeiten. Wir haben schon oft mit Ausstellungen der Arbeit unserer „kleinen Künstler“ Erwachsene beeindruckt und begeistert.
Wir geben den Kindern unter Anleitung einer ausgebildeten Musiklehrerin auch wortwörtlich „eine Stimme“, in der Klasse, im Schulchor und bei Aufführungen vor großem Publikum.

 (Stand September 2012)

Ein Beispiel für die gelungene Förderung und Forderung wurde am 08.06.2015 in einem Artikel des BBVs erwähnt.